Ökostrom: Woher er stammt und wie Sie den passenden Tarif finden

Immer mehr Menschen wünschen sich, dass sauberer Strom aus ihrer Steckdose kommt. Spätestens die Nuklearkatastrophe von Fukushima hat uns 2011 vor Augen geführt, welchen Preis wir für konventionell erzeugte Energie aus Atomkraftwerken bezahlen. Neben der Katastrophengefahr sprechen weitere Gründe für Ökostrom. Bei der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen wie Kohle entsteht Kohlendioxid, das zur globalen Erwärmung beiträgt. Zudem sind die Vorkommen von Kohle, Erdöl und Co. begrenzt.

Ein Umdenken ist also dringend notwendig. Dies hat auch die Bundesregierung erkannt. Sie hat den Atomausstieg bis Ende 2022 beschlossen und fördert den Ausbau der erneuerbaren Energien per Gesetz sowie mit der EEG-Umlage. Auch als Verbraucher können Sie zur Energiewende beitragen, indem Sie einen Stromanbieter mit Ökostrom wählen.

Was sind erneuerbare Energien?

Ökostrom stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Man nennt ihn auch sauberen Strom, da er umwelt- und klimafreundlicher ist als konventioneller Strom, der aus Kernenergie oder aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Erneuerbar heißt in diesem Fall, dass die Energiequellen quasi unerschöpflich sind oder sich schnell regenerieren. Das ist bei fossilen Stoffen wie Kohle oder Erdöl nicht der Fall. Man unterscheidet verschiedene Arten von regenerativen Energien.

Sonnenenergie

Sonnenenergie, auch Solarenergie genannt, nutzt die Sonnenstrahlung, um daraus Energie zu gewinnen. Mit Photovoltaikanlagen gewinnt man elektrischen Strom, Sonnenkollektoren erzeugen mithilfe der Sonnenstrahlung Wärme. Sie werden nicht nur in Kraftwerken genutzt. Auch Privathaushalte können entsprechende Anlagen auf ihrem Dach installieren und selbst Ökostrom oder Wärme erzeugen. Sonnenwärmekraftwerke gewinnen Strom aus Wärme und Wasserdampf. Sie lohnen sich allerdings nur in sonnenreichen Regionen wie Spanien oder dem afrikanischen Kontinent.

Anlagen, die mithilfe von Sonnenenergie Ökostrom erzeugen, setzen keine Schadstoffe wie Feinstaub oder Treibhausgase frei. Sie sind klimaschonend. Allerdings sind Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung abhängig vom Wetter, der Tageszeit und der Jahreszeit. Zudem benötigen die Solarmodule und -kollektoren viel Platz.

Windenergie

Windenergie wird bereits seit dem Altertum genutzt, beispielsweise bei Windmühlen, mit denen unsere Vorfahren Getreide gemahlen haben. Die großen Mühlen haben mit den heutigen Windkraftanlagen wenig gemeinsam. Man unterscheidet Onshore-Anlagen, die auf dem Land stehen, und Offshore-Windanlagen, die im Meer in Küstennähe errichtet werden. Aktuell hat Windenergie bei den erneuerbaren Energieträgern den größten Anteil an der Bruttostromerzeugung. 2016 stammten laut der AG Energiebilanzen 12,3 Prozent der Bruttostromerzeugung aus On- und Offshore-Windanlagen.

Windenergieanlagen sind vergleichsweise günstig und benötigen wenig Platz. Die Fläche darunter kann anderweitig genutzt werden, beispielsweise landwirtschaftlich. Sie erzeugen keine Schadstoffe und gelten als sehr umweltfreundlich. Wie bei der Solarenergie schwankt die Leistung der Anlagen, wenn nicht genügend Wind weht. Dies gilt vor allem für Onshore-Anlagen. Offshore sind die Windbedingungen besser. Dort herrschen höhere Windgeschwindigkeiten und der Wind bläst beständiger. Dafür ist die Errichtung der Anlagen vergleichsweise teuer.

Wasserkraft

Auch diese Form der Energiegewinnung wurde schon in früher Zeit bei Mühlen mit Wasserrädern verwendet. Wasserkraftwerke lassen sich grob in zwei Typen unterscheiden. Speicherkraftwerke werden an Talsperren und Bergseen errichtet. Besteht Energiebedarf, wird das Wasser abgelassen und durchfließt auf dem Weg nach unten Turbinen, die den Ökostrom erzeugen. Laufwasserkraftwerke produzieren Strom mithilfe der natürlichen Strömung eines Gewässers, zum Beispiel eines Flusses.

Wasserkraftwerke lassen sich gut regeln. Man kann sie nach Bedarf in Betrieb nehmen oder stoppen. Die Speicherseen der Anlagen dienen oft zusätzlich als Trinkwasserspeicher oder Hochwasserschutz. Allerdings greift der Bau eines Wasserkraftwerks oft tiefgreifend in das Ökosystem ein. Wanderwege von Fischen und anderen Tieren werden gestört, die verringerte Fließgeschwindigkeit kann sich negativ auf die Wasserqualität auswirken. Entsprechende Maßnahmen können diese Effekte verringern.

Bioenergie

Aus Biomasse können Ökostrom, Wärme und Kraftstoffe gewonnen werden. Biomasse kann gasförmig, fest oder flüssig sein. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Holz
  • Energiepflanzen wie Mais oder Raps
  • Organische Abfälle wie Bioabfälle oder Gülle
  • Reststoffe wie Getreidestroh

Biomasse hat den Vorteil, dass sie sich einfach lagern lässt. Somit ist die Stromgewinnung – anders als bei Sonnen- oder Windenergie – gut regulierbar.

Zudem können bislang ungenutzte Pflanzen(-teile) oder Reststoffe verwertet werden. Anders als fossile Brennstoffe wächst Biomasse vergleichsweise schnell nach. Nachteilig ist die benötigte Anbaufläche der Biomasse und deren Konkurrenz zu Nahrungs- und Futtermitteln. Zudem können beim Verbrennen der Biomasse Schadstoffe wie Kohlendioxid entstehen – allerdings weniger als bei der konventionellen Stromerzeugung.

Daran erkennen Sie echten Ökostrom

In Deutschland spielen erneuerbare Energieträger eine immer wichtigere Rolle. Laut der AG Energiebilanzen hatten alternative Energieträger 2015 einen Anteil von 29 Prozent an der Bruttostromerzeugung. Gemäß des Erneuerbare-Energien-Gesetzes soll dieser Anteil bis 2050 auf 80 Prozent steigen. Als Verbraucher können Sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, indem Sie zu einem Stromanbieter für Ökostrom wechseln oder einen entsprechenden Tarif wählen.

Allerdings ist der Begriff "Ökostrom" nicht geschützt. Jeder Stromanbieter kann ihn verwenden – auch dann, wenn sein Strom vielleicht gar nicht vollständig grün ist. Zertifikate und Gütesiegel können Ihnen helfen, ein geeignetes Produkt zu finden. Empfehlenswerte Siegel sind zum Beispiel:

  • ok-power-Label
  • Grüner-Strom-Label
  • TÜV SÜD EE01 oder EE02

Diese bewerten nicht nur, woher der Anbieter seinen Ökostrom bezieht. Sie verlangen auch, dass der Anbieter in den Bau neuer Anlagen investiert, um die regenerativen Energien voran zu bringen.