Strompreisentwicklung 2022: Rekordhoch, Verbraucherpreise steigen kontinuierlich

Er steigt und steigt und steigt … Wer seine letzte Stromrechnung mit denen aus den Vorjahren vergleicht, sieht, dass der Preis für Strom seit Längerem nur eine Entwicklung kennt: nach oben. Die Kurse an der Leipziger Strombörse steigen und auch die Förderung Erneuerbarer Energien, die Netzentgelte und staatliche Abgaben treiben die Preise an. Aktuell befindet sich die Strompreisentwicklung auf einem steilen Pfad nach oben und der Strompreis pro kWh befindet sich auf einem Allzeithoch, Tendenz weiter steigend.

Bisher entfiehlen mehr als die Hälfte (über 53 Prozent) des Strompreises auf Steuern, Abgaben und Umlagen, die der Staat erhebt. Im April 22 waren dies nur noch 39,3 Prozent. Ein gutes Viertel (rund 25 Prozent) erhält der Netzbetreiber für die Nutzung des Stromnetzes. Nur der verbleibende Rest geht an den Stromerzeuger oder den jeweiligen Stromanbieter für den Einkauf und Vertrieb des Stroms. Dieser dritte Kostenbestandteil ist aufgrund stark gestiegender Energiepreise im Großhandel um durchschnittlich 82 Prozent gestiegen (Stand April 22).

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Aktueller Strompreis 2022 für Privathaushalte

Der aktuelle Strompreis für Neuverträge liegt momentan bei über 40 Cent/kWh (Stand: Mai 2022). Bereits im April 2022 lag der Strompreis laut Bundes­verband der Energie- und Wasser­wirt­schaft (BDEW) bei durchschnittlich 37,14 Cent/kWh. Grundlage: Haus­halt mit einem Ver­brauch von 3.500 kWh pro Jahr. Im Vergleich zu 2021 ist der durchschnittliche Strompreis um rd. 5ct./kWh gestiegen. Die Tendenz ist weiter steigend. Gründe für die steigende Preise sind der aktuelle Russland Konflikt sowie der schleppende Zubau von Windkraft. Wird das Gas knapp, steigt der Strompreis weiter, denn flexible Gaskraftwerke werden nach dem Atomausstieg benötigt, um Strom zu produzieren.

Ausblick: Entwicklung des durchschnittlichen Strompreises fürs Jahr 2022

Wie bereits erwähnt gibt es drei wesentliche Bestandteile, die sich auf die Strompreisentwicklung auswirken. Um die Strompreisentwicklung 2022 genauer unter die Lupe zu nehmen, sollte man derzeit folgende Bereiche genauer betrachten:  

Steuern und Umlagen

Ende Oktober 2021 wurden die Umlagen für 2022 bekanntgegeben. Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Die EEG Umlage, die im Moment noch den größten Anteil einnimmt, wird 2022 um mehr als 40 Prozent sinken. Diese Senkung ist durch jahrelange Überschüsse möglich geworden. Doch auch der stark angestiegene Strompreis an der Börse sowie der bereits 2019 im Rahmen des Klimaschutzgesetzes beschlossene Bundeszuschuss von mehr als 3 Milliarden Euro wirkten sich positiv auf die Senkung der EEG Umlage aus. Im April wurde sogar beschlossen, dass für Verträge, die vor dem 23. Februar 2022 abgeschlossen wurden, die EEG Umlage ab 1.7.22- 31.12.22 komplett wegfällt. Ob diese dann im Jahr 2023 für alle Stromverträge auf 0 gesetzt wird wird sich im Oktober zeigen. Doch leider gibt es auch Umlagen, die nicht so deutlich sinken: Die Offshore-Netzumlage für 2022 steigt um rund 6 Prozent und die KWKG-Umlage steigt um fast 49 Prozent. Allein die § 19 StromNEV-Umlage erhöht sich nur sehr gering und die Abschaltbare Lasten-Umlage sinkt sogar um zwei Drittel. Doch abschließend lässt sich sagen: Betrachtet man nur die Umlagen für 2022, wird es eine deutliche Entlastung gegenüber 2021 geben: Alle Umlagen und Steuern in 2022 zusammen belaufen sich auf 14,60 Cent je Kilowattstunde (2021 waren es 16,43 Cent je Kilowattstunde).

Preise an der Strombörse EEX

Trotz der sinkenden Umlagen und Steuern, ist von steigenden Strompreisen auszugehen, da andere Faktoren die Strompreisentwicklung 2022 stärker beeinflussen: Die Preise an der Strombörse EEX in Leipzig haben einen wesentlichen Einfluss – und ganz besonders natürlich Strom aus Erneuerbaren Energien, der auch an dieser Börse gehandelt wird. Dieser Kostenbestandteil ist in 2022 um durchschnittlich 82 Prozent gestiegen. Grund hierfür sind die gestiegenen Großhandelspreise. Der Anteil der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energiequellen am gesamten deutschen Bruttostromverbrauch betrug 2020 rund 45,4 Prozent und steigt seither kontinuierlich an. Das EEG Gesetz trug mit seiner Förderung von neuen Anlagen hierzu wesentlich bei.

Zuletzt betrug der Verbrauch von Erneuerbaren Energien hierzulande über 220 Terawattstunden: In diesem Bereich ist die Onshore-Windenergie der wichtigste Energieträger in Deutschland vor der Photovoltaik und der Stromerzeugung aus Biomasse. Doch Meteorologen rechnen mit einem geringeren Windaufkommen bis Ende 2021 und für das Jahr 2022, sodass der aus Windkraft erzeugte Strom im Vergleich zu 2021 zurückgehen wird. Leider! Denn Strom aus Windkraft ist im Vergleich günstiger (z. B. durch geringe Grenzkosten) und wirkt sich somit positiv auf dem Strompreis aus. Muss man auf andere Alternativen zur Stromgewinnung zurückgreifen, hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Strompreis in 2022: Gas- und Kohlekraftwerke können hierzulande zwar diese fehlenden Mengen produzieren, allerdings benötigen diese Kraftwerke dazu dann mehr Gas und Kohle. Und diese Preise sind wiederum an den Weltmarkt gekoppelt: Der Gaspreis ist aktuell (Stand: Mai 2022) auf einem Rekordhoch, somit ist Strom aus Gaskraftwerken jetzt bereits wesentlich teurer als aus Windkraftwerken. Die Entwicklung des Gaspreises wird daher auch die Strompreise 2022 und 2023 weiter noch oben treiben.

Was bedeutet das nun? Trotz einem hohen Anteil an Erneuerbaren Energien-Anlagen in Deutschland werden wir wohl in 2021 und 2022 immer noch stark auf traditionelle Kraftwerke zur Stromerzeugung setzen müssen, die hauptsächlich Gas- und Kohlekraftwerke mit hohen Einsatzkosten sind.

Netzentgelte

Der dritte Einflussfaktor auf die Strompreisentwicklung 2022 sind die Netzentgelte. Diese werden je nach Postleizahlgebiet von dem jeweiligen Netzbetreiber vor Ort festgelegt. Auch in 2021 wurde viel in das Stromnetz investiert, um beispielsweise dezentral erzeugte Erneuerbare Energien aufnehmen zu können und in die Ballungszentren zu transportieren. Die Netzentgelte für Haushaltskunden sind bis April 2022 um rd. 8,08 ct./kWh im Durchschnitt gestiegen, das sind 3,6 % Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.

Fazit: Voraussichtliche Steigerung der Strompreise in 2022

Die Strompreisentwicklung 2022 hat verschiedenste Einflussfaktoren, trotz einer Umlagen Senkung geht die Branche durch gestiegene Einkaufskosten und Netzentgelte von einer Steigerung der Verbrauchspreise in 2022 aus. Man kann Verbrauchern nur empfehlen, sich nach Tarifen umzusehen, die so weit wie möglich auch Preisgarantien beinhalten. Das scheint auf Dauer verlässlicher und planbarer. Ein Tipp: Die WEB.DE Strom Tarife bieten sogar volle Preisgarantie für 24 Monate.

Strompreisentwicklung 2010 bis 2022

Der Strompreis in den letzten 10 Jahren (zwischen 2010 und 2020) ist – bis auf kleine Ausreißer 2013, 2015 und 2016 – kontinuierlich gestiegen. Lag er 2010 noch bei durchschnittlich 23,69 ct/kWh (Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh), liegt er zu Beginn des Jahres 2020 bereits bei 31,37 ct/kWh. Das ist eine Preissteigerung von mehr als 30 % innerhalb von 10 Jahren.

Jahr

durchschnittlicher Strompreis in ct/kWh

2010

23,69 ct/kWh

2011

25,23 ct/kWh

2012

25,89 ct/kWh

2013

28,84 ct/kWh

2014

29,14 ct/kWh

2015

28,70 ct/kWh

2016

28,80 ct/kWh

2017

29,28 ct/kWh

2018

29,47 ct/kWh

2019

30,46 ct/kWh

2020

31,37 ct/kWh

2021

32,16 ct/kWh

2022

37,14 ct/kWh

(Quelle: BDEW, Stand 04/2022)

Höhere Stromrechnung aufgrund steigender Steuern und Umlagen

Wie die Strompreisentwicklung bis 2016 zeigt, wurde Strom nur innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Liberalisierung des Strommarktes tatsächlich günstiger. Seit der Jahrtausendwende erhöht sich der Strompreis jedes Jahr durchschnittlich um rund 3,4 Prozent. Dabei ist nur ein Teil der zusätzlichen Kosten darauf zurückführen, dass sich die Stromerzeugung verteuert hat. Denn auch die staatlicherseits bedingten Kosten wie Steuern und Abgaben, insbesondere aber die Umlagen zur Förderung der Erneuerbaren Energien nahmen deutlich zu und ließen die Strompreise steigen. Mit wenigen Ausnahmen erhöhte sich beispielsweise die EEG-Umlage Jahr für Jahr. Erstmals in 2022 wurde die EEG-Umlage gesenkt. Ein aktuelles Gesetz gibt sogar den kompletten Wegfall der EEG-Umlage für den Zeitraum 1.7.22-31.12.22 vor.

Zudem müssen die Netzbetreiber immer mehr investieren. Denn die regenerative Energie stammt hauptsächlich aus großen Windkraftanlagen an den deutschen Küsten sowie aus Offshore-Windparks. Doch benötigt wird der Strom im Süden, wo sich die Zentren der deutschen Industrie befinden. Erst der gezielte Netzausbau stellt sicher, dass die 2011 beschlossene Energiewende auch ein Erfolg wird. Im Oktober jedes Jahres geben die vier Netzbetreiber 50Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW bekannt, wie hoch im Folgejahr die Gebühren für den Stromtransport sowie die Umlagen zum Ausbau der regenerativen Energien sein werden. Von 2021 auf 2022 sind diese Netzengelte im durchschnitt um 3,6% gestiegen.

Im Ländervergleich: EU-weit steigt der Preis pro kWh Strom ebenfalls kontinuierlich

Angesichts der deutschen Strompreisentwicklung lohnt sich ein Blick ins Ausland. Ein Vergleich innerhalb der EU zeigt:

Auch in anderen Staaten sind in den vergangenen Jahren die Preise gestiegen, zwischen 2006 und 2015 im Durchschnitt um 56 Prozent. Dabei stiegen die Strompreise in Großbritannien um 157 Prozent, in den Niederlanden hingegen lediglich um 0,1 Prozent. Deutsche Kunden zahlen mit rund 30 Cent den zweithöchsten Strompreis pro kWh in der EU. Nur in Dänemark liegen die Kosten mit 31 Cent pro kWh Strom darüber. Besonders günstig ist Strom in Bulgarien mit 9 Cent für jede kWh. Auch in Ungarn, Tschechien und Polen fällt die Stromrechnung niedrig aus.

Absolute Zahlen verdeutlichen aber nicht, wie hoch die Belastung tatsächlich ist. Setzt man nämlich die Stromkosten in Relation zum Haushaltseinkommen, sieht es wie folgt aus: Die Stromkosten sind in Bulgarien extrem hoch. So muss dort ein 1-Personen-Haushalt rund 3 Prozent des Einkommens für Stromkosten aufwenden, soviel wie in keinem anderen EU-Staat. Am günstigsten kommen Single-Haushalte in Luxemburg weg. Sie müssen nur 0,7 Prozent ihres Einkommens für Strom opfern. Denn die Kosten von 18 Cent pro kWh liegen im Mittelfeld, während die Gehälter EU-weit die höchsten sind. Deutschland liegt mit 2 Prozent ganz knapp über dem europäischen Mittelwert von 1,9 Prozent.

Prognosen für die zukünftige Strompreisentwicklung

Längerfristige Prognosen für eine Strompreisentwicklung sind schwer: Der europäische Binnenmarkt für Strom entwickelt sich nur schrittweise. Allerdings funktioniert der Austausch von Strom zwischen Nachbarländern schon länger sehr gut. Ein Beispiel: Österreich importiert jedes Jahr Strom aus Bayern, Baden-Württemberg und Tschechien und exportiert diesen wiederum nach Deutschland, Slowenien, Ungarn und in die Schweiz. Dadurch können Produktionsüberschüsse und Nachfrageschwankungen ausgeglichen werden. 2015 vereinbarte Deutschland mit elf Ländern − darunter Norwegen und Österreich − einen gemeinsamen Strommarkt. Eingriffe in Marktpreise soll es nicht geben. Ob dies die Strompreisentwicklung für private Haushalte positiv beeinflussen kann, bleibt abzuwarten. Daher ist es durchaus empfehlenswert, einen Stromvertrag mit voller Preisgarantie abzuschließen, um eine Strompreiserhöhung zu umgehen. So einen Tarif hat WEB.DE Energie im Angebot: Hier hat man die Chance, sich für die nächsten 24 Monate einen möglichst günstigen Strompreis zu sichern.