Strompreisentwicklung: Verbraucherpreise steigen kontinuierlich

Er steigt und steigt und steigt … Wer seine letzte Stromrechnung mit denen aus den Vorjahren vergleicht, sieht, dass der Preis für Strom seit Längerem nur eine Entwicklung kennt: nach oben. Obwohl die Kurse an der Leipziger Strombörse fallen, kommt beim Verbraucher davon nichts an. Denn die Förderung erneuerbarer Energien, die Netzentgelte und staatliche Abgaben lassen die Preise weiter steigen. Daher wird auch die zukünftige Strompreisentwicklung diesem Trend folgen – und der Strompreis pro kWh weiter steigen.

Aktuell steht der Strompreis bei rund 28,69 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Damit sind die durchschnittlichen Strompreise zwar im Vergleich zu 2015 stabil geblieben, doch innerhalb der vergangenen zehn Jahre kontinuierlich gestiegen. Mehr als die Hälfte (über 54 Prozent) des Strompreises entfallen auf Steuern, Abgaben und Umlagen, die der Staat erhebt. Ein gutes Viertel (rund 25 Prozent) erhält der Netzbetreiber für die Nutzung des Stromnetzes. Nur der verbleibende Rest (etwas über 21 Prozent) geht an den Stromerzeuger oder den jeweiligen Stromanbieter für den Einkauf und Vertrieb seines Stromes.

Höhere Stromrechnung durch steigende Steuern und Umlagen zur Förderung erneuerbarer Energien

Wie die Strompreisentwicklung bis 2016 zeigt, wurde Strom nur innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Liberalisierung tatsächlich günstiger. Seit der Jahrtausendwende erhöht sich der Strompreis jedes Jahr durchschnittlich um rund 3,4 Prozent. Dabei ist nur ein Teil der zusätzlichen Kosten darauf zurückführen, dass sich die Stromerzeugung verteuert hat. Denn auch die staatlicherseits bedingten Kosten wie Steuern und Abgaben, insbesondere aber die Umlagen zur Förderung der erneuerbaren Energien nahmen deutlich zu und ließen die Strompreise steigen. Mit Ausnahme von 2015 erhöhte sich beispielsweise die EEG-Umlage Jahr für Jahr.

Zudem müssen die Netzbetreiber immer mehr investieren. Denn die regenerative Energie stammt hauptsächlich aus großen Windkraftanlagen an den deutschen Küsten sowie aus Off-Shore-Windparks. Doch benötigt wird der Strom im Süden, wo sich die Zentren der deutschen Industrie befinden. Erst der Netzausbau stellt sicher, dass die 2011 beschlossene Energiewende auch ein Erfolg wird. Im Oktober jedes Jahres geben die vier Netzbetreiber 50Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW bekannt, wie hoch im Folgejahr die Gebühren für den Stromtransport sowie die Umlagen zum Ausbau der regenerativen Energien sein werden.

EU-weit steigt der Preis pro kWh Strom ebenfalls kontinuierlich

Angesichts der deutschen Strompreisentwicklung lohnt sich ein Blick ins Ausland. Ein Vergleich innerhalb der EU zeigt: Auch in anderen Staaten sind in den vergangenen Jahren die Preise gestiegen, zwischen 2006 und 2015 im Durchschnitt um 56 Prozent. Dabei stiegen die Strompreise in Großbritannien um 157 Prozent, in den Niederlanden hingegen nur um 0,1 Prozent. Deutsche Kunden zahlen mit 30 Cent den zweithöchsten Strompreis pro kWh in der EU. Nur in Dänemark liegen die Kosten mit 31 Cent pro kWh Strom darüber. Besonders günstig ist Strom in Bulgarien mit 9 Cent für jede kWh. Auch in Ungarn, Tschechien und Polen fällt die Stromrechnung niedrig aus.

Absolute Zahlen verdeutlichen aber nicht, wie hoch die Belastung tatsächlich ist. Setzt man nämlich die Stromkosten in Relation zum Haushaltseinkommen, erweisen sie sich in Bulgarien als extrem hoch. So muss dort ein 1-Personen-Haushalt rund 3 Prozent seines Einkommens für Stromkosten aufwenden, soviel wie in keinem anderen EU-Staat. Am günstigsten kommen Single-Haushalte in Luxemburg weg. Sie müssen nur 0,7 Prozent ihres Einkommens für Strom opfern. Denn die Kosten von 18 Cent pro kWh liegen im Mittelfeld, während die Gehälter EU-weit die höchsten sind. Deutschland liegt mit 2 Prozent ganz knapp über dem europäischen Mittelwert von 1,9 Prozent.

Die zukünftige Strompreisentwicklung bleibt ungewiss

Der europäische Binnenmarkt für Strom entwickelt sich nur schrittweise. Allerdings funktioniert der Austausch von Strom zwischen Nachbarländern schon seit Längerem. So importiert Österreich jedes Jahr Strom aus Bayern, Baden-Württemberg und Tschechien und exportiert ihn nach Deutschland, Slowenien, Ungarn und in die Schweiz. Dadurch können Produktionsüberschüsse und Nachfrageschwankungen ausgeglichen werden. 2015 vereinbarte Deutschland mit elf Ländern, darunter Norwegen und Österreich, einen gemeinsamen Strommarkt. Eingriffe in Marktpreise soll es nicht geben. Ob dies die Strompreisentwicklung für private Haushalte positiv beeinflussen kann, bleibt abzuwarten.