Strompreis: Pro kWh wird nur ein Teil der Kosten berechnet

Seit der Jahrtausendwende steigen die Strompreise in Deutschland in immer neue Höhen. Dabei haben sich die Herstellungskosten kaum verteuert, aber Steuern, Umlagen und andere staatliche Abgaben in der Zwischenzeit verdreifacht. Auch in Zukunft werden Kunden noch mit mancher Strompreiserhöhung zu kämpfen haben. Grund genug, zu einem günstigen Anbieter wie WEB.DE Strom zu wechseln.

Wie wird der Strompreis berechnet?

Die meisten Tarife für die Versorgung mit Strom unterscheiden zwischen Grundpreis und Arbeitspreis. Der Grundpreis dient dazu, die Kosten für die Bereitstellung des Stroms zu decken: zum Beispiel für Zähler, Ablesung und Rechnungsstellung. Der Grundpreis wird als Euro-Betrag meistens für ein Jahr ausgewiesen, wenngleich er in die monatlichen Abschläge eingerechnet wird. Der Arbeitspreis gibt dagegen die tatsächlichen Stromkosten pro kWh (Kilowattstunde) an. Er ist verbrauchsabhängig, das heißt: Er gibt den Betrag an, den man für jede genutzte Kilowattstunde Strom zahlen muss. Daher wird der Arbeitspreis in Cent pro kWh angegeben.

Strompreis pro kWh: 2016 im Vergleich konstant, doch Trend zeigt nach oben

 Der Strompreis für private Verbraucher lag im Jahr 2016 bei durchschnittlich 28,69 Cent pro kWh. Das gab der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bekannt. Er analysiert mehrmals im Jahr die Strompreise für private und industrielle Kunden. Der Strompreisindex für private Kunden basiert auf einem Verbrauch von 3.500 kWh, was ungefähr dem Jahresverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts entspricht. Im Vergleich zum Jahr davor blieben die Kosten pro kWh Strom relativ konstant, doch langfristig gesehen wird Strom immer teurer. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich der durchschnittliche Strompreis aus drei unterschiedlichen Faktoren zusammensetzt:

  • Kosten für die Erzeugung von Strom
  • Staatliche Abgaben, Umlagen und Steuern
  • Kosten für Ausbau und Erhalt des Stromnetzes

Den größten Anteil nehmen die staatlicherseits erhobenen Kosten ein. 2016 machten alle Steuern, Abgaben und Umlagen zusammen 54,1 % der Durchschnittskosten aus. Den größten Einzelposten mit 22,1 % stellt die EEG-Umlage dar, mit der der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert wird. Er betrug zuletzt 6,35 Cent pro kWh Strom. Weitere Umlagen werden für Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung und Offshore-Windkraftanlagen erhoben (insgesamt 3%). Dazu kommen noch Umsatz- und Stromsteuer (16 % und 2 %) sowie eine Konzessionsabgabe an Kommunen für die Verlegung und Nutzung von Stromleitungen im Gebiet ihrer Gemeinde.

Etwas weniger als ein Viertel (24,6 %) der Kosten entfielen auf die Netzentgelte. Das sind die Gebühren der Stromnetzbetreiber, die für die Durchleitung des Stroms, die Investition in neue Stromnetze sowie den Erhalt bestehender Leitungen entstehen. Die Kosten für die Erzeugung (und den Vertrieb) des Stroms stellen den kleinsten Kostenblock dar. Im Jahr 2016 betrug ihr Anteil gerade einmal 21,3 % der Gesamtkosten. Berücksichtigt werden die Preise, die Kraftwerksbetreiber für ihren Strom an der Leipziger Strombörse EEX erzielen. Da Betreiber von Ökostrom-Anlagen einen bestimmten Betrag garantiert erhalten, wird die Differenz zum Börsenkurs aus der EEG-Umlage gegenfinanziert.

Wann wird der Strompreis erhöht?

Steigerungen bei der EEG-Umlage und der Umsatz- und Stromsteuer trieben in den vergangenen Jahren die Kosten pro kWh Strom kontinuierlich nach oben. Während 2006 die EEG-Umlage 0,88 Cent pro kWh betrug, waren es 2016 schon 6,35 Cent pro kWh. 2017 steigt sie auf 6,88 Cent pro kWh. Auch die Netzentgelte wurden laufend erhöht. Betrugen sie 2011 5,75 Cent pro kWh, waren es 2016 bereits 7,07 Cent pro kWh. 2017 sollen sie massiv um bis zu 80 % steigen. Dagegen sind die Kosten für die Stromerzeugung, den Transport und den Vertrieb seit 2008 relativ konstant geblieben: Sie lagen zwischen 13 und 14 Cent pro kWh. Sie führten nicht zu einer Strompreiserhöhung.

Veränderungen der EEG-Umlage und der Netzentgelte werden in der Regel im Oktober eines Jahres angekündigt. Tatsächlich erhoben werden sie dann ab dem 1. Januar des darauffolgenden Jahres.

Tatsächlicher Verbrauch wird durch Zählerablesung ermittelt

Um den tatsächlichen Verbrauch zu ermitteln, werden alle Kunden einmal im Jahr vom örtlichen Netzbetreiber angeschrieben. Mit dem Brief erhalten die Kunden die Aufforderung, innerhalb eines bestimmen Zeitraums – ungefähr 14 Tage – den aktuellen Zählerstand zu übermitteln. Diese Information schickt man dann per Ablesekarte kostenlos an den Anbieter oder Versorger. Oder man trägt den Zählerstand online über das Kundenkonto ein. Das geht in der Regel schneller – und die Daten sind zur späteren Überprüfung bereits im Konto hinterlegt. In der Regel zählt das genaue Vertragsjahr – Stichtag ist das Datum des Vertragsabschlusses.

Der tatsächliche Verbrauch ergibt sich dann aus der Differenz zwischen neuem und altem Zählerstand. Er wird mit dem vereinbarten Arbeitspreis multipliziert, gegebenenfalls findet eine Preisgarantie Berücksichtigung. Ist sie innerhalb des Ablesezeitraums ausgelaufen, wird sie nur anteilig gewährt. Für die verbliebene Zeitspanne wird der Verbrauch mit dem aktuellen Strompreis pro kWh abgerechnet. Daraus ergibt sich dann die Jahresabrechnung. Sie wird mit den bereits gezahlten Abschlägen verrechnet. Hat man zu viel gezahlt, bekommt man etwas zurück. Ansonsten stellt der Stromanbieter den fehlenden Betrag in Rechnung, die man innerhalb der gewährten Frist begleichen muss.

Jahresverbrauch bildet Grundlage für Berechnung neuer Abschläge

Der aktuelle Verbrauch bildet dann die Grundlage für die Berechnung der Abschläge im kommenden Vertragsjahr. Liegt der Verbrauch unter dem Vorjahreswert, passt der Stromanbieter meist von allein die Abschläge an und kalkuliert sie entsprechend niedriger. So spart man automatisch. Hat man aber mehr verbraucht als vereinbart, korrigiert der Anbieter die Abschläge für die nächsten Monate natürlich nach oben. Dann wird die monatliche Abbuchung teurer als bisher, selbst wenn sich am Grundpreis oder den Stromkosten pro kWh nichts ändern sollte. In diesem Fall wird es Zeit, Strom zu sparen, um die Kosten zu senken – oder den Stromanbieter zu wechseln.