Wie effizient und zukunftsträchtig ist Solarstrom?

Der Klimawandel und die schwindenden fossilen Brennstoffe verlangen nach neuen Energiequellen. Wer die Sonne anzapft, leistet einen Beitrag für die Umwelt. Dank technischer Weiterentwicklungen befindet sich die Solarbranche seit Jahren auf Erfolgskurs. Vorbei sind die Zeiten, in denen Solarzellen für Privathaushalte unerschwinglich waren. Doch ab wann spielen sie die Anschaffungskosten wieder ein und wann erzielen sie Gewinne?

Förderung von Solarstrom in Deutschland

Eine Solaranlage ist mit hohen Anschaffungskosten verbunden. Ganz gleich, ob Sie sich für eine thermische Anlage zur Heizung und Warmwasserversorgung oder eine Photovoltaikanlage zur dezentralen Stromerzeugung entscheiden: Für die Geräte müssen Sie zumeist mehrere Tausend Euro aufbringen. Genauso viel kostet ein Batteriespeicher. Um die Eigenversorgung zu gewährleisten, speichert er die an sonnigen Tagen erzeugte Solarenergie. Neben den Anschaffungskosten fallen Gebühren für Installation und Wartung an.

Seit einigen Jahren fährt der Staat die Förderung für Solaranlagenbetreiber zurück. Eine Zäsur bildete die Kürzung von 2012. Diese betraf vor allem die EEG-Umlage, die einen finanziellen Ausgleich zur kostenintensiven Erzeugung von Solarstrom schaffen soll und die alle erhalten, die ihren Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Dennoch greift der Staat Betreibern nach wie vor unter die Arme. Die Einspeisevergütung blieb in reduzierter Form erhalten; zugleich schuf die Bundesregierung neue Förderinstrumente, die insbesondere kosteneffizientere Neuanlagen betreffen.

Seit Juni 2017 unterstützt der Staat Solaranlagenbesitzer, die mit dem selbsterzeugten Strom andere Verbraucher ohne Umweg über das Stromnetz mitversorgen – etwa im eigenen Miethaus oder in Wohnhäusern der näheren Umgebung. Hierfür sieht das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom eine Zulage vor. Zugleich fallen Entgelte für die Einspeisung sowie die Stromsteuer weg. Darüber hinaus sind auch die folgenden Optionen zur Förderung von Solarstrom in Deutschland attraktiv:

  • Günstige Kredite:

    Einige Banken und Bausparkassen bieten zinsgünstige Kredite an. So sieht die staatliche KfW-Bankengruppe ein spezielles Programm vor, das nicht nur die Anlage, sondern auch die Batteriespeicher finanzieren soll. Bei Krediten für Speicher gewährt der Staat einen hohen Tilgungszuschuss.

  • Regionale Förderprogramme:

    Einige Bundesländer beteiligen sich ebenfalls an der Finanzierung. So fördern Thüringen und Nordrhein-Westfalen die Investition in Photovoltaikanlagen. Auch auf Gemeindeebene werden mitunter Zulagen gezahlt.

  • Energieversorgungsunternehmen:

    Einige Stromversorger unterstützen auch private Haushalte bei der Installation einer Solaranlage. Die Art der Förderung gestaltet sich verschieden. Einige zahlen beispielsweise etwas zur Einspeisevergütung, andere zum Anschaffungspreis hinzu.

  • Steuervergünstigungen:

    Stellen kleine Anlagenbetreiber den selbsterzeugten Strom der Allgemeinheit zur Verfügung, werden sie unternehmerisch tätig. Das kann mitunter Steuervorteile haben.

Wie wirtschaftlich ist eine Solaranlage?

Die Investition in Solarstrom zahlt sich in aller Regel aus. Vorbei sind die Zeiten, in denen Solarstrom eine zwar umweltfreundliche, jedoch extrem kostenintensive Alternative darstellte. Grund hierfür sind technische Weiterentwicklungen, die den Effizienzgrad stark erhöhten. Dazu zählen insbesondere der verbesserte Wirkungsgrad von photovoltaischen Siliziumzellen sowie leistungsfähigere Speicher. Zugleich sinken die Herstellerkosten kontinuierlich und machen Solaranlagen immer erschwinglicher.

Wann haben sich die Ausgaben refinanziert? Diese Frage stellen sich viele Haushalte, die die Anschaffung einer Solaranlage erwägen. Pauschal lässt sie sich allerdings nicht beantworten. Schließlich hängt die Wirtschaftlichkeit von vielen Faktoren ab. Mitunter dauert es Jahre, bis sich die amortisiert haben und die Solarzellen die ersten Erträge erbringen. Zu den Haupteinflussfaktoren gehören insbesondere Einbaugegebenheiten und Nutzungsabsichten:

  • Ausrichtung der Solarzellen:

    Ideal ist eine Südost- oder Südwest-Ausrichtung. Dies ist beispielsweise aufgrund der Baugegebenheiten, verdeckender Bäume oder eingebauter Fenster nicht immer möglich. Dennoch rentiert sich eine Solaranlage auch bei Ost-West-Ausrichtungen in der Regel ab einer Leistung von 950 Kilowattstunden pro Jahr.

  • Neigung der Solarmodule:

    Auch der Neigungswinkel entscheidet über die Effizienz. Die optimale Neigung beträgt 30 Grad, die sich je nach Dachschräge nicht immer realisieren lässt.

  • Standort:

    Da die jährliche Sonneneinstrahlung geografisch variiert, beeinflusst er den Solarstromertrag. So erzeugen in Süddeutschland aufgestellte Module deutlich mehr Strom. Dennoch rentieren sich auch Anlagen im weniger sonnenverwöhnten Norden, insbesondere wenn eine Speicherbatterie witterungs- und jahreszeitbedingte Schwankungen ausgleicht.

  • Solartechnik:

    Solarkollektoren dienen der Warmwassererzeugung. Photovoltaikanlagen decken mitunter den kompletten Eigenbedarf an Strom ab oder versorgen sogar das öffentliche Netz mit. Je nach Anwendungsbereich rentiert sich Solarstrom früher oder später. Am günstigsten erweist sich eine Kombination von Photovoltaik, Solarthermie und einem entsprechenden Speicher. Sie machen Haushalte mitunter vollständig von externer Strom- und Wärmeversorgung unabhängig.

  • Größe der Solarmodule:

    Je größer die mit Solarmodulen belegte Fläche ist, desto mehr reduzieren sich die Investitionskosten im Verhältnis zur erbrachten Leistung.

Klarheit verschaffen auch Solarstromrechner, der verschiedene Faktoren wie Dachfläche, Neigung und Ausrichtung berücksichtigen und im Internet abrufbar sind.

Generell gilt: Seitdem die Bundesregierung die Einspeisungsvergütung 2012 stark senkte, lohnt sich die Weitergabe des selbsterzeugten Solarstroms aufgrund geringer Preise ans öffentliche Netz kaum noch. Unter Umständen lässt sich jedoch aufgrund der günstigen Konditionen des neuen Gesetzes zur Förderung von Mieterstrom Geld verdienen.

Am rentabelsten erweist der Eigenverbrauch der selbstproduzierten Energie. Damit dient Solarstrom weniger als Kapitalanlage denn zur Senkung oder kompletten Kompensierung der Stromkosten eines Haushalts. Denn der selbsterzeugte Strom ist langfristig gesehen in jedem Fall billiger und nicht von Preiserhöhungen betroffen. Solarzellen sind oftmals bis zu 20 Jahre leistungsfähig – deshalb zahlt sich eine Solaranlage aus, obwohl sie nur selten den vollständigen Strombedarf abdecken kann. In der Regel deckt Solarenergie 25 Prozent des Eigenbedarfs. Mit einem Batteriespeicher verdreifacht sich der Anteil.

Wenn Ihnen die Anschaffungskosten zu hoch sind und Ihnen eine Photovoltaikanlage keinen Geldvorteil erbringt, brauchen Sie nicht auf umweltfreundlichen Solarstrom zu verzichten. Ökostromtarife müssen keineswegs teurer sein als die Basistarife der Grundversorger. Über WEB.DE können Sie mit den Tarifen Strom Kombi und Strom Flex 100 Prozent Ökostrom beziehen. Unser Tarifrechner hilft Ihnen bei der Auswahl und Stromvergleich.

Solarenergie gestern und heute

Die Entwicklung der Solarstromtechnik hat sich in den letzten Jahren rasant beschleunigt. Sinkende Produktionskosten und ein verbesserter Wirkungsgrad steigern die wirtschaftliche Effizienz von Solarzellen. Als der französische Physiker Alexandre Edmund Becquerel 1839 den photovoltaischen Effekt entdeckte, war Solarstrom noch weit davon entfernt, einmal zur Zukunftstechnologie zu avancieren. Mehr als 100 Jahre dauerte es, bis amerikanische Forscher eine Siliziumzelle entwickelten.

Die erste Solarzelle konnte 1954 nur sechs Prozent des absorbierten Sonnenlichts in Strom umwandeln. Heute erreichen einige Zellen sogar einen Wirkungsgrad von 26 Prozent. Nachdem kurzzeitig ein Mangel an reinem Siliziumdioxid, dem Hauptrohstoff für Photovoltaikzellen, die Solarindustrie bremste, befindet sie sich heute wieder auf dem Erfolgskurs.

Einige Studien prognostizieren einen Boom der Solarstrombranche. Ihnen zufolge wäre es bereits 2050 möglich, ein Fünftel des weltweiten Strombedarfs zu decken. In Deutschland hat Solarstrom laut Bundeswirtschaftsministerium derzeit (Stand März 2017) einen Anteil von 5,9 Prozent der Bruttostromerzeugung. In der Wüste Marokkos eröffnete 2016 der weltweit größte Solarkomplex. An vorderster Stelle der Solarstromerzeuger stehen jedoch die Länder China, USA, Japan, Deutschland und Indien.